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Parodontitis - entzündeter Zahnhalteapparat

Entstehung einer Parodontitis

Risikofaktoren für Parodontitis

Symptome und Diagnose

Parodontitis-Behandlung

Unbehandelte Parodontitis

Parodontitis vorbeugen

Überblick: Was ist eine Parodontitis?

Die Parodontitis ist eine Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates. Sie ist nicht nur unangenehm und schmerzhaft, sondern auch gefährlich. Langfristig kann diese Entzündung den Zahnhalteapparat irreversibel zerstören und sogar zum Verlust ansonsten gesunder Zähne führen. Was die meisten zudem nicht wissen: Die mit einer Parodontitis verbundenen gesundheitlichen Risiken gehen weit über den Mundraum hinaus.

Der Zahnhalteapparat besteht aus vier Teilen: Zahnfleisch, Zahnzement, Wurzelhaut und Zahnfächern. Im gesunden Zustand verankert er die Zähne fest im Kiefer, so dass sie nicht locker werden und ausfallen. Schreitet aber eine Parodontitis – also die Entzündung des Zahnhalteapparates – weiter voran, zerstört sie allmählich das Gewebe und den Knochen. Dann verlieren die Zähne ihren Halt und können schließlich ausfallen. Zudem kann eine Parodontitis schwere Erkrankungen nach sich ziehen, weswegen die Forschung sich heute einig ist, dass es sich um eine Systemerkrankung handelt, die nicht nur den Mundraum betrifft.

Die Parodontitis bleibt oft erst unbemerkt und entwickelt sich langsam über Jahre und Jahrzehnte weiter. Es gibt jedoch auch eine aggressive Form, die schnell fortschreitet und bereits in kurzer Zeit große Schäden anrichtet. Hierbei setzen Zahnlockerung und Zahnverlust innerhalb von Wochen oder Monaten ein. Von beiden Formen können auch Zähne ohne Karies, Füllungen und andere Schäden betroffen sein.

Übrigens: Viele Laien sprechen von Parodontose und meinen Parodontitis. Die Endung „-itis“ steht für Entzündung. Parodontitis ist deshalb der medizinisch korrekte Begriff.

Häufigkeit

Trotz verbesserter Mundhygiene und Prophylaxemaßnahmen beim Zahnarzt ist die Parodontitis weit verbreitet und mittlerweile als Volkskrankheit einzustufen. Laut Fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie, durchgeführt vom Institut der Deutschen Zahnärzte IDZ, hat jeder zweite Erwachsene zwischen 35 und 44 Jahren eine moderate bis schwere Parodontitis. Bei den jüngeren Senioren zwischen 65 und 74 Jahren sind es 65 Prozent. Und von den über 75-Jährigen sind 90 Prozent von einer parodontalen Erkrankung betroffen (1). Nach dem 45. Lebensjahr ist die Parodontitis die Ursache Nummer eins für Zahnverlust.

Zahnfleischentzündung oder Parodontitis?

Rötungen, Schwellungen, Blutungen und Schmerzen sind typische Zeichen einer Zahnfleischentzündung, aber auch einer Parodontitis. Für die Betroffenen sind beide Erkrankungen kaum auseinanderzuhalten. Während aber eine Zahnfleischentzündung leicht behoben werden kann, ist eine Parodontitis, also die Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates, eine komplizierte Erkrankung. Sie kann zu Zahnverlust, kostspieligem Zahnersatz und chronischen Krankheiten führen. In jedem Fall gilt: Eine Entzündung im Mundraum sollte immer von einem Zahnarzt untersucht und behandelt werden. Denn auch eine scheinbar harmlose Zahnfleischentzündung kann sich unbehandelt weiter in die Tiefe fortsetzen und zur Parodontitis werden.

Entstehung einer Parodontitis

Am Anfang der Parodontitis steht in den meisten Fällen eine Zahnfleischentzündung. Medizinisch heißt sie Gingivitis. Bleibt sie unbehandelt, kann sich die bakterielle Infektion vom Zahnfleisch auf tiefere Regionen des Zahns und den gesamten Zahnhalteapparat ausbreiten. Die Ursache der Zahnfleischentzündung sind meist Zahnbeläge, die sogenannte Plaque. Bis zu einem bestimmten Grad hat jeder Mensch Zahnbelag – die einen entwickeln mehr, die anderen weniger.

Plaque: Hier fühlen sich Bakterien wohl.

Zahnbelag ist ein idealer Lebensraum für Bakterien, etwa den Kariesauslöser Streptococcus mutans und andere Krankmacher. Sie bilden dort gut organisierte, dichte „Netzwerke“. In den Belägen finden sie ausreichend „Futter“ aus Speisen und Getränken für ihren Stoffwechsel. Die Keime verarbeiten mit Vorliebe Kohlenhydrate wie Zucker, aber auch Eiweiße und Fette. Im Rahmen verschiedenster Stoffwechselprozesse verwandeln sie Bestandteile aus der Nahrung in Produkte, die den Zähnen und dem Zahnfleisch zusetzen. So stellen zum Beispiel Kariesbakterien aus Zucker Säuren her, während andere Bakterien sogar Giftstoffe bilden können.

Die relativ weiche Plaque können Sie durch eine gute Mund- und Zahnhygiene  selbst entfernen. Dennoch bildet sich die Plaque immer wieder neu und sammelt sich an, wenn Sie ihr nicht regelmäßig zu Leibe rücken. Lagern sich in den Zahnbelag Mineralien aus dem Speichel ein, verhärtet und verkalkt er. Feste, dicke Verkrustungen entstehen, die Sie mit normalen Zahnputzinstrumenten nicht mehr wegbekommen. In diesem rauen, zerklüfteten Zahnhartbelag fühlen sich Bakterien besonders wohl.

Entzündung als Reaktion des Immunsystems

Das körpereigene Immunsystem bekämpft Keime und antwortet mit einer Entzündung als natürlicher Abwehrreaktion. Zudem aktiviert das Immunsystem beim Versuch der Keimbekämpfung knochenabbauende Zellen, die wiederum den Zahnhalteapparat und den Kieferknochen schädigen. Bei der Bakterienabwehr kommt es also zu unerwünschten Kollateralschäden. Gelingt es den Bakterien, in tiefere Zahnstrukturen einzudringen, wird die Entzündung chronisch. Mit der Zahnbürste und anderen Reinigungsutensilien kommen Sie dann nicht mehr an die Keime heran. Sie können sich ungebremst weiter vermehren – die Parodontitis nimmt ihren zerstörerischen Verlauf.

Der Übergang von der Zahnfleischentzündung zur Parodontitis lässt sich ungefähr so beschreiben:

  • Das Zahnfleisch löst sich vom Zahn, es liegt nicht mehr dicht an.
  • So entstehen Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien ansiedeln.
  • Durch das Eindringen der Bakterien werden die Taschen immer tiefer, das Zahnfleisch geht zurück und die Zahnhälse liegen frei. Dadurch „verlängern“ sich die Zähne optisch.
  • Das Knochengewebe schwindet. Jetzt hat der Zahn keinen ausreichenden Halt mehr, er lockert sich und fällt im schlimmsten Fall aus.

Die tägliche Entfernung der weichen Zahnbeläge ist also ein wichtiger Schutz vor Parodontitis. Den festen Zahnstein kann nur ein Zahnarzt mit Hilfe spezieller Instrumente beseitigen.

Weitere Risikofaktoren für die Parodontitis

Nicht jeder Mensch hat ein gleich hohes Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken, und nicht bei jedem verläuft die Zahnerkrankung gleich schwer. Das liegt vor allem an der Stärke des körpereigenen Immunsystems, das die Entzündungsreaktion steuert. Deshalb setzen neue Parodontitis-Behandlungen gezielt am Immunsystem an. Und da ein Großteil der Immunzellen im Darm angesiedelt ist, richten ganzheitlich orientierte Zahnärzte ihren Blick nicht nur auf den Mund, sondern auch auf die Darmflora. In einer gesunden Darmflora sind „gute“ und „böse“ Darmbakterien im Gleichgewicht, was sich auch auf die Mundflora überträgt. Ist diese intakt, können schädigende Keime und mit ihnen die Parodontitis sich weniger durchsetzen (mehr unter dem Abschnitt Die Rolle des Darms).

    Folgende Risiken fördern die Entstehung einer Parodontitis:

     

    • Störende mechanische Faktoren im Mund: Schlecht sitzender Zahnersatz (z. B. Brücke, Implantat), Prothesenklammern oder Teile eines kieferorthopädischen Gerätes (Spange, Brackets), Füllungsränder mit scharfen Kanten, nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus)
    • Erkrankungen: Grunderkrankungen, wie z. B. die Zuckerkrankheit Diabetes, fördern einerseits die Entstehung von Parodontitis und werden andererseits auch von der Entzündung im Mundraum befeuert. Infektionen, etwa mit Herpesviren oder HI-Viren (Aids), schwächen die Abwehrkräfte des Zahnhalteapparates. Auch Medikamente, insbesondere Antibiotika, Immunsuppressiva und blutdrucksenkende Mittel, können eine Parodontitis begünstigen.
    • Rauchen: Raucher haben ein zwei- bis siebenfach höheres Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken, als Nichtraucher. Rauchen schwächt das Immunsystem, verengt die Gefäße, drosselt die Durchblutung und bremst die Wundheilung.
    • Stress: Bekannt ist, dass psychischer Stress das Immunsystem dämpft. Wer dauerhaft unter Druck steht, entwickelt häufiger eine Parodontitis oder beschleunigt die Zahnbetterkrankung.
    • Schwangerschaft: Schwangere erleben bedeutende hormonelle Umwälzungen, die auch vor dem Zahnfleisch und den Zähnen nicht Halt machen. Aufgrund der hormonellen Einflüsse wird das Zahnfleisch anfälliger gegenüber inneren und äußeren Reizen. Eine Schwangerschaft fördert neben parodontalen Erkrankungen auch Karies.
    • Gene: Auch die erbliche Veranlagung ist daran mitbeteiligt, ob ein Mensch Parodontitis bekommt oder nicht.
    • Schlechte Ernährung: Heute weiß man, dass die Ernährung einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Entstehung vieler chronischer Krankheiten wie eben auch die Entwicklung und das Fortschreiten einer Parodontitis hat. Zu viel Zucker, aber auch Farb-, Konservierungs- und Zusatzstoffe insbesondere aus stark verarbeiteten Lebensmitteln, Konserven und Fastfood schädigen den Darm und bringen damit das Gleichgewicht der Bakterien im Körper durcheinander. Parodontitis ist eine der möglichen Folgen. Generell sollte man entzündungsfördernde Nährstoffe wie (zu viele) Kohlenhydrate und Transfettsäuren, wie sie beispielsweise in Margarine, Pommes frites und vielen Süßwaren vorkommen, reduzieren. Entzündungshemmend sind hingegen Mineralstoffe, Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren und viele Vitamine, die man über eine vollwertige, ausgewogene und weitestgehend frisch zubereitete Kost zu sich nimmt.

    Symptome und Diagnose einer parodontalen Erkrankung

    Eine Parodontitis bleibt oft lange Zeit unbemerkt, denn sie verursacht zunächst keine Schmerzen. Und viele gehen erst dann zum Zahnarzt, wenn sie Schmerzen verspüren. Anfangs macht sich die Parodontitis insbesondere durch Zahnfleischbluten, geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch oder Zahnfleischschwund und in der Folge freiliegende, empfindliche Zahnhälse bemerkbar. Zähne erscheinen dann optisch länger. Weitere Symptome sind unangenehmer Mundgeruch durch bakterielle Zahnbeläge und Sekret, das aus den Zahnfleischtaschen fließt. Erst später treten Schmerzen, lockere Zähne und im schlimmsten Fall Zahnverlust ein. Wenn Sie solche Symptome bei sich feststellen, suchen Sie immer umgehend Ihren Zahnarzt auf. Noch besser ist es, Sie nehmen vorbeugend zweimal pro Jahr Kontrolltermine wahr. So lassen sich Probleme im Mund, an den Zähnen, am Zahnfleisch oder Zahnhalteapparat rechtzeitig aufspüren und behandeln. Allgemein gilt nämlich: Je früher Ihr Zahnarzt die Parodontitis aufdeckt, desto größer sind Ihre Behandlungschancen.

    Übrigens: Ausgerechnet bei Rauchern, einer Hauptrisikogruppe der Parodontitis, bleibt das Zahnfleischbluten oft aus, weil die Durchblutung bereits vermindert ist.

    Parodontales Screening: sondieren und messen

    Eine wichtige Methode bei der Diagnose der Parodontitis ist die Überprüfung des Zahnfleisches. Der Zahnarzt testet, ob das Zahnfleisch blutet, zurückgegangen ist oder ob sich Zähne gelockert haben. Außerdem überprüft er mittels einer speziellen Messsonde, ob sich Zahnfleischtaschen gebildet haben und vor allem, wie tief diese sind. Der Zahnarzt führt das Instrument vorsichtig zwischen dem Zahn und dem Zahnfleisch ein. Jeder Zahn wird an mehreren Stellen sondiert, was manchmal ein wenig unangenehm sein kann. Die Sonde besteht aus einem dünnen Metallstäbchen mit einer winzigen Kugel an der Spitze. Auf diese Weise wird der Parodontale Screening Index (PSI) erhoben. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten für die Untersuchung alle zwei Jahre.
    Ist das Zahnfleisch gesund, befindet sich zwischen dem Zahn und dem Zahnfleisch nur ein kleiner Spalt von maximal zwei bis drei Millimetern. Im Verlauf der Parodontitis wird der Spalt entlang der Zahnwurzel immer breiter und tiefer. Vier und mehr Millimeter Spalttiefe bedeuten, dass schon Zahnhaltefasern zerstört sind und wahrscheinlich eine Parodontitis vorliegt.

    Keimanalyse: Welche Bakterien besiedeln die Zahntasche?

    Die meisten Bakterien in unserer Mundhöhle sind für sich betrachtet nützlich oder im Rahmen eines bakteriellen Gleichgewichts zumindest nicht schädlich. Einige Bakterienstämme, die sogenannten Parodontitis-Leitkeime, werden allerdings in besonderem Maße mit Zahnbetterkrankungen in Verbindung gebracht. Ihr Vorkommen allein stellt noch keine Gefahr für die Mundgesundheit dar, solange die nützlichen Bakterien überwiegen. Erst, wenn die Leitkeime die Oberhand gewinnen, wird es kritisch für Zahnfleisch und Zahnhalteapparat.
    Vor diesem Hintergrund führen Zahnärzte im Rahmen der Diagnose einer Parodontitis oft eine Keimanalyse durch. Dazu entnehmen sie mit einem Papierstäbchen eine geringe Menge bakterienhaltiger Flüssigkeit aus der Zahntasche. Damit lässt sich im Labor die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft ermitteln. Der Zahnarzt erhält Anhaltspunkte für die Prognose der Parodontitis.

    Enzymtest: Aussage über Gewebezerstörung

    Die „aktive Matrix-Metalloproteinase-8“ (aMMP-8) ist ein Enzym, das Kollagen, den wichtigsten Baustein unseres Bindegewebes, abbaut und das unser Körper bei Entzündungsprozessen vermehrt ausschüttet. Genau das geschieht auch bei einer Parodontitis oder Periimplantitis: Das im Rahmen der Entzündung ausgeschüttete Enzym greift das Kollagennetzwerk des Zahnhalteapparates an und trägt so maßgeblich zur Gewebezerstörung bei.
    Sobald die Konzentration von aMMP-8 in der Flüssigkeit der Zahnfleischtaschen zunimmt, steigt auch die Aktivität der Parodontitis. Daher ist das Enzym ein sehr guter und zuverlässiger Marker für den aktuellen Status der Erkrankung. Der aMMP-8-Test eignet sich außerdem bestens zur Früherkennung: Er weist bereits zuverlässig auf eine drohende Gewebezerstörung hin, bevor andere Anzeichen einer Entzündung oder Parodontitis sichtbar werden.
    Der Test selbst ist ausgesprochen leicht durchzuführen. Moderne Zahnarztpraxen nutzen einen Schnelltest, der binnen weniger Minuten verrät, wie es um das Fortschreiten der Parodontitis bestellt ist. So kann der Zahnarzt in seiner Praxis jederzeit kontrollieren, ob die gewählte Therapie anschlägt. Sobald der Wert sinkt, hat er Gewissheit, dass die Parodontitis rückläufig ist.

     

    Röntgenbilder liefern Gewissheit

    Um genau herauszufinden, wie stark der Knochenabbau schon fortgeschritten ist, werden Röntgenaufnahmen des gesamten Gebisses angefertigt. Dies ist insbesondere notwendig, wenn Zahnverlust droht oder bereits eingetreten ist und ein Implantat eingesetzt werden soll. Denn auch Implantate benötigen einen stabilen Zahnhalteapparat, damit der Zahnarzt sie fest im Kiefer verankern kann.

    Parodontitis-Behandlung

    Die herkömmliche Parodontitis-Behandlung zielt in erster Linie auf die intensive Reinigung des Mundraums, um krankmachende Bakterien zu entfernen. Auf diese Weise wird versucht, die Entzündung einzudämmen, die Zerstörung des Zahnhalteapparates aufzuhalten und dadurch ein Fortschreiten der Krankheit und Zahnverlust zu verhindern. Es gibt verschiedene Bausteine, bei denen Sie auch selbst gefragt sind.

    Mundhygiene verbessern

    Wenn die Parodontitis mit einer mangelnden Mund- und Zahnhygiene einhergeht, sollten Sie diese unbedingt verbessern. Das gilt natürlich auch für den Fall, dass Sie schon einen Zahn oder mehrere Zähne verloren haben.

    Professionelle Zahnreinigung (PZR)

    Die Professionelle Zahnreinigung – abgekürzt PZR – bedeutet einen „Rundumputz“ für Ihre Zähne. In der Regel führen Prophylaxe-Fachkräfte die PZR durch. Mit Hilfe spezieller Instrumente entfernen sie bakterielle Plaque und hartnäckigen, festen Zahnstein. Sie kommen auch an Stellen heran, die Sie mit der Zahnbürste oder den normalen Zahnputzutensilien schwer erreichen. Weitere Maßnahmen der PZR sind:

    • Entfernung von Flecken und unschönen Verfärbungen der Zähne mittels Pulverstrahlgeräten.
    • Polieren der Zähne mit kleinen, rotierenden Bürsten und einer besonderen Paste. So werden sie glatter und Bakterien können sich an den Zähnen nicht mehr so leicht anheften.
    • Zuletzt wird meist ein remineralisierendes Gel aufgetragen, das den Zahnschmelz stärkt und härtet.

    Je nach Stärke der Zahnbeläge und Anzahl der zu behandelnden Zähne dauert die PZR etwa eine Stunde. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht. Zahnärzte empfehlen die PZR ein- bis zweimal pro Jahr, wenn das Karies- und Parodontitisrisiko niedrig ist. Bei bestehender Parodontitis, ausgeprägten Zahnfleischtaschen oder bestimmten Grunderkrankungen (z.B. Diabetes) kann es notwendig sein, die PZR öfter durchführen zu lassen.

    Subgingivales Scaling und Glätten der Wurzeln

    Zahnbeläge und fester Zahnstein bilden sich nicht nur auf den Zähnen und in den Zahnzwischenräumen, sondern auch unterhalb des Zahnfleischsaums, an den Zahnhälsen und auf den Zahnwurzeln. An diese Stellen kommen Sie mit der Zahnbürste beim Zähneputzen nicht heran. Im Rahmen der Parodontitis-Behandlung entfernt der Zahnarzt diese Beläge mit Hilfe von Spezialinstrumenten. Dann glättet er die schwer erreichbaren Zahnoberflächen, damit sich Bakterien nicht mehr so leicht festsetzen und neue Beläge bilden. Subgingivales Scaling heißt dieses Vorgehen. Es geschieht unter lokaler Betäubung, damit Sie keine Schmerzen verspüren.

    Antibiotika

    Bei beginnender oder mäßig fortgeschrittener Parodontitis führt der Zahnarzt in der Regel eine lokale Antibiotika-Behandlung durch. Bei schwereren Formen werden die Antibiotika oral verabreicht. Oft lässt sich so eine schnelle schmerzfreie Wirkung erzielen. Allerdings ist diese Wirkung oft nicht von Dauer, denn durch die zeitweise Zerstörung der Bakterienflora ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Entzündung wieder ausbricht. In jedem Fall sollten Sie also nach einer Antibiotikagabe Maßnahmen zur Darmpflege ergreifen, damit Darmflora und Immunsystem wieder in Balance kommen.

    Chirurgische Behandlung

    Bei fortgeschrittener Parodontitis oder tiefen Zahnfleischtaschen, die trotz vorausgegangener Parodontitis-Behandlung Blut und Sekret absondern, empfiehlt der Zahnarzt möglicherweise eine offene chirurgische Behandlung. Dabei schneidet er das Zahnfleisch unter örtlicher Betäubung an den entzündeten Stellen ein und klappt es zurück. So kommt er besser an die Oberfläche der Zahnwurzeln heran, entfernt entzündetes Gewebe, beseitigt die Beläge und glättet sie. Nach der Behandlung vernäht er das Zahnfleisch.

      Weitere operative Maßnahmen sind:

       

      • Guided Tissue Regeneration: Der Zahnarzt legt am Ende der offenen chirurgischen Behandlung eine biologisch abbaubare Folie zwischen das Zahnfleisch und den Zahn ein. Die Membran verhindert, dass das Zahnfleisch schnell in die Lücke hineinwächst. So kann sich der Zahnhalteapparat besser erholen.
      • Wiederaufbau des Zahnfleisches: Diese Rekonstruktion kann sinnvoll sein, wenn die Zahnhälse oder Teile der Zahnwurzel frei liegen. Es gibt verschiedene OP-Techniken, etwa die Transplantation von Bindegewebe aus dem Gaumen. So deckt der Arzt die Schäden ab, das Zahnfleisch sieht wieder ansprechend aus und die Zähne sind besser vor Krankheiten geschützt.
      • Knochentransplantation: Wenn die Parodontitis schon den Knochen in Mitleidenschaft gezogen hat, kann der Zahnarzt eigene oder künstliche Knochen an die geschädigte Stelle verpflanzen. So hat der Zahn wieder besseren Halt und der Knochenaufbau wird angeregt.

      Nachteile der herkömmlichen Parodontitis-Behandlung

      So wichtig insbesondere die Reinigungsmaßnahmen für eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung sind, so haben die klassischen zahnärztlichen Therapien doch einen gemeinsamen Nachteil: Sie ändern nichts an der Ursache der Parodontitis. Es ist längst bekannt, dass es sich um eine Systemerkrankung handelt, denn Parodontitis tritt häufig in Wechselwirkung mit anderen Erkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt und verschiedenen Krebsarten auf. Die gemeinsame Ursache ist ein zunächst nicht sichtbares Entzündungsgeschehen im Körper, die sogenannte Silent Inflammation. Keine der herkömmlichen Behandlungsmethoden zielt jedoch darauf ab, diese Entzündung zu heilen.

      Kein Wunder also, dass der Erfolg vieler Parodontitis-Behandlungen nicht lange anhält und Zähne bzw. Implantate trotz Therapie ausfallen. Im schlechtesten Fall haben Patienten im Anschluss an eine teure und schmerzhafte Prozedur auch noch Darmproblemen in Folge der Antibiotika.

      Itis-Protect®: Nährstoffe gegen die Entzündung

      Ein moderner Ansatz der Behandlung von Parodontitis ist die Regulierung der Entzündungsaktivität über die Anpassung der Nährstoffe. Seit man weiß, dass die Ernährung ganz maßgeblich an der Entstehung von Entzündungen beteiligt ist, gehen immer mehr Zahnärzte ganzheitlich vor und stellen beispielsweise Überweisungen zu einer Ernährungsberatung aus. Dabei lautet die Kernregel: Je vollwertiger, frischer und schadstoffärmer die Ernährung ist, desto besser geht es dem Darm, der die Entzündung steuert. Darüber hinaus hat sich eine bilanzierte Diät bewährt, die Vitamine, Spurenelemente, Darmsymbionten und ungesättigte Omega-Fettsäuren in einer speziellen Mischung enthält.

      Itis-Protect® wurde speziell zum Diätmanagement bei Parodontitis entwickelt und bietet zurzeit die einzige umfassende Möglichkeit, die Entzündung des Zahnhalteapparates ursächlich zu behandeln (mehr unter dem Abschnitt „Das Wirkprinzip von Itis-Protect®“).

      Mögliche Folgen unbehandelter Parodontitis

      Die Parodontitis spielt sich nicht nur in Ihrem Mund ab, sondern kann den gesamten Körper in Mitleidenschaft ziehen. Die Bakterien und Entzündungsstoffe können nämlich über das Zahnfleisch ins Blut gelangen und richten dann an anderen Orten Schaden an. Andersherum gelangen auch Entzündungsstoffe anderer Erkrankungen über den Blutkreislauf in den Mund und können dort eine Parodontitis auslösen oder anfeuern. Es handelt sich also um eine Systemerkrankung. Eine unbehandelte Parodontitis lässt womöglich nicht nur Ihre Zähne ausfallen, sondern wirkt sich negativ auf den gesamten Körper aus. Mittlerweile sind viele Beispiele für Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und anderen Erkrankungen bekannt.

        Beispiele sind:

         

        • Diabetes mellitus: Hohe Blutzuckerwerte schwächen die Abwehrkräfte des Zahnhalteapparates. Es bilden sich häufiger Entzündungen, die zudem schlechter abheilen. Auf diese Weise erhöht die Zuckerkrankheit die Gefahr für eine Parodontitis auf das Dreifache (2). Auf der anderen Seite bremsen Entzündungen die Wirkung des Blutzuckerhormons Insulin. Diabetiker, die zugleich unter einer Parodontitis leiden, haben es also schwerer, ihren Blutzucker gut einzustellen.
        • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bakterien und Entzündungsbotenstoffe begünstigen die Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Diese ist wiederum der wichtigste Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Bakterien aus dem Mund können über den Blutkreislauf auch die Herzinnenhaut und die Herzklappen erreichen und dort Infektionen auslösen. Besonders gefährdet sind Menschen mit künstlichen Herzklappen, Hüft- oder Kniegelenken.
        • Magen-Darm-Erkrankungen: Die Parodontitis wird auch mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert. Dazu gehören Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Erklärung ist einfach: Eine Entzündung im Mund spiegelt sich in der Regel auch im Darm und umgekehrt. Denn wenn die Zusammensetzung der über 1.000 verschiedenen Bakterienarten im Darm aus dem Gleichgewicht gerät, die krankmachenden Bakterien sich durchsetzen und Entzündungen auslösen, machen diese auch vor dem Zahnfleisch nicht Halt. Neue wissenschaftliche Ansätze gehen davon aus, dass eine nachhaltig erfolgreiche Behandlung einer schweren Parodontitis nur über eine Behandlung der Darmbakterien möglich ist (mehr unter dem Abschnitt „Die Rolle des Darms“).
        • Krebs: Mittlerweile bringen Mediziner die Parodontitis sogar mit einigen Krebsarten in Verbindung. Dazu gehören Brust-, Lungen- und Darmkrebs. Erst vor Kurzem konnten New Yorker Forscher einen Zusammenhang zwischen Krankheitserregern der Parodontitis und Magenkrebs nachweisen (3).
        • Frühgeburten: Es ist bekannt, dass die Parodontitis bei Schwangeren Frühgeburten auslösen kann. Manchmal kommen die Babys mit niedrigerem Geburtsgewicht zur Welt. Das ist besonders fatal, weil Schwangerschaften durch die Hormonumstellung das Risiko erhöhen, eine Parodontitis zu entwickeln.

        Vorbeugung: Von Mundhygiene über Ernährung bis Lebensstil

        Mit der richten Pflege, einer gesunden Ernährung und einem geeigneten Lebensstil können Sie dafür sorgen, dass Mund, Zähne, Zahnfleisch und Zahnbett möglichst lange gesund bleiben und Parodontitis im Idealfall gar nicht erst entsteht.

        Pflegetipps für Mund und Zähne

        • Regelmäßiges Zähneputzen, und zwar richtig. Putzen Sie mindestens zweimal täglich gründlich Ihre Zähne. Benutzen Sie eine Bürste mit eher weichen Borsten und üben Sie nicht zu viel Druck aus. Putzen Sie mindestens zwei Minuten lang mit System: Widmen Sie sich jedem Zahn und allen Zahnflächen einzeln.
        • Putzen Sie Ihre Zähne ca. 30 Minuten nach den Mahlzeiten und immer vor dem Schlafengehen.
        • Zahnseide/Zahnzwischenraumbürsten: Mit diesen Hilfsmitteln reinigen Sie Ihre Zahnzwischenräume effektiv und befreien sie von Essensresten und Belägen. Hier gilt: Einmal täglich im Rahmen des Zähneputzens.
        • Zahnfleisch pflegen: Massieren Sie Ihr Zahnfleisch beim Zähneputzen vorsichtig. Die Massage fördert die Durchblutung und wirkt Entzündungen entgegen.
        • Zahnarztbesuch: Gehen Sie nicht erst zum Zahnarzt, wenn Sie Zahnschmerzen haben. Suchen Sie ihn besser vorbeugend zwei Mal pro Jahr auf.

        Auf eine gesunde Ernährung kommt es an

        Ernähren Sie sich gesund und abwechslungsreich. Sie stärken damit Ihr Immunsystem und sorgen für eine gesunde Darmflora. Durch eine gesunde Ernährung schützen Sie sich vor Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) – beides Risikofaktoren für eine Parodontitis. Es gilt: Alles, was Ihren Körper gesund erhält, tut auch Ihren Zähnen gut. Durch eine vollwertige und ausgewogene Ernährung sorgen Sie sowohl für ein stabiles Immunsystem als auch für eine intakte Darmflora. Das kann schädliche Bakterien in Ihrem Mund reduzieren. Gewisse Lebensmittel wie Mangold, Brokkoli, Sauerkraut, Naturjoghurt, Walnüsse und fetter Seefisch gelten als antientzündlich, sie können also dazu beitragen, Entzündungsgeschehen im Körper vorzubeugen, abzubauen oder zu regulieren.

          So sieht eine gesunde Ernährung aus:

          • Essen Sie viele Vollkornprodukte. Damit nehmen Sie jede Menge Ballaststoffe für die Darmgesundheit zu sich und sichern gleichzeitig, dass Sie länger satt sind, da Ihr Blutzuckerspiegel deutlich langsamer ansteigt. Positiver Nebeneffekt: Durch den höheren Sättigungsgrad profitieren Ihre Zähne und Ihr Zahnfleisch von längeren Essens-Pausen und haben genügend Zeit, sich zwischen den Mahlzeiten zu remineralisieren und das Mundmilieu wieder in Balance zu bringen.
          • Keine Mahlzeit ohne Gemüse! Empfohlen werden drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst pro Tag. Am besten sind saisonale, regional angepflanzte Sorten: Sie enthalten die meisten Nährstoffe durch geringe Lagerungszeiten und Transportwege. In Obst und Gemüse stecken jede Menge gesundheitsfördernde, sekundäre Pflanzenstoffe und reichlich Vitamine. Das stärkt die Abwehrkräfte.
          • Greifen Sie zu guten pflanzlichen Fetten. Produkte mit ungesättigten Fettsäuren gelten als besonders gesund. Dazu gehören: Oliven-, Distel-, Walnuss- und Leinöl. Außerdem: Nüsse, Avocado und Chia-Samen. Vermeiden Sie Margarine und Rapsöl; beide schaden dem Darm.
          • Experten empfehlen, ein- bis zweimal in der Woche Fisch und ebenso oft Fleisch aus Bio-Produktion zu essen. Konventionell erzeugte Produkte aus Massentierhaltung enthalten zu viele Schwermetalle, Antibiotika und andere Giftstoffe.
          • Lassen Sie stark verarbeitete Lebensmittel und Fast Food links liegen. Sie enthalten viele schädliche Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe, die den Darm angreifen, das Zusammenspiel der Bakterien stören und das Immunsystem schwächen. Gesünder und schmackhafter ist es, frisch zu kochen.
          • Achten Sie zudem auf Ihren Zuckerkonsum. Zucker feuert Entzündungen im Körper an.
          • Trinken Sie viel Wasser oder ungesüßte Tees. Je mehr Flüssigkeit Sie zu sich nehmen, umso besser ist Ihr Speichelfluss. Der Speichel reinigt die Zähne und schützt sie vor Bakterien und Säure. Außerdem braucht der Körper viel Wasser, um Schadstoffe wie Pestizide, Schwermetalle, Farb-, Konservierungs- und Zusatzstoffe abzutransportieren.
          • Generell enthalten biologisch erzeugte Lebensmittel mehr Nähr- und weniger Schadstoffe. Greifen Sie zu Lebensmitteln mit Bio-Siegel, wann immer das für Sie möglich ist.

          Gesunder Lebensstil

          Neben der Ernährung gibt es noch weitere Lebensstilfaktoren, die sich unmittelbar positiv auf die Körperzellen, die Darmgesundheit, das Immunsystem, die Bakterienvielfalt, das Entzündungsgeschehen und somit auch auf eine Parodontitis auswirken:

          • Rauchstopp: Nicht nur Ihre Lunge und die Gefäße profitieren davon, wenn Sie den Glimmstängeln abschwören, sondern auch Ihr Zahnfleisch.
          • Stress weg: Hand aufs Herz: Stehen Sie häufig unter Strom? Für Ihre Gesundheit ist es wichtig, dass Sie sich regelmäßige Auszeiten im Alltag nehmen und versuchen, Druck abzubauen. Hilfreich ist auch das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Yoga.
          • Ärztliche Kontrollen: Nehmen Sie sich und Ihren Körper ernst. Lassen Sie bestehende Krankheiten ausreichend behandeln, und halten Sie sich an die Empfehlungen Ihres Arztes.
          • Bewegung: Es steht außer Frage, dass der gesamte Körper von regelmäßiger Bewegung profitiert.

           

          Parodontitis – entzündeter Zahnhalteapparat

          Entstehung einer Parodontitis

          Risikofaktoren für Parodontitis

          Symptome und Diagnose

          Parodontitis-Behandlung

          Unbehandelte Parodontitis

          Parodontitis vorbeugen